
Ein Blogger brachte kürzlich die Bedeutung des Phoenix-haften Aufstiegs von Chris Daughtry (Platz eins und US-Doppel-Platin fürs Debütalbum, das sich mittlerweile fast drei Millionen Mal verkaufte) für die Rock’n’Roll-Welt treffend auf den Punkt: Die "Intensität", so der anonyme Schreiber, sei Balsam für die kränkelnde Musikindustrie. Wenn Daughtry sich im Aufnahmestudio befände, dann sei das "wie wenn ein begnadeter Meister einer kaputten Violine noch die schönsten Klänge entlockt": "rein" und "beseelt". USA Today stellte schlicht fest: "Daughtry dominates". Und der Rolling Stone jubelte: "Homeboy loves to rock". Der stets auf der Suche nach neuen Kicks befindliche US-Musikfan hat den neuen Standarten-Träger des Rock’n’Rolls jedenfalls längst ins Herz geschlossen.
In einer Zeit, in der Musik oft eine Existenz als möglichst unaufdringliche Klangtapete fristet, hat Daughtry dem Genre quasi im Alleingang das Herz zurück gegeben. Mit dem bluesig-stolzen "What I Want" hat er eine bedrohte Spezies vor dem Ausstreben bewahrt; "Feels Like Tonight" erweckt Urängste; "Home" befasst sich mit der wehmütigen Suche nach einem Zuhause im Nomadenleben; "It’s Not Over" ist ein leidenschaftlicher Aufschrei. Aus würdevoll ertragenem Schmerz schafft der aus North Carolina stammende Musiker Stücke von bleibendem Wert. Daughtrys Debütalbum erreicht schwindelnd hohe Verkaufszahlen und Chartpositionen und ist der sichtbare Beweis, dass rechtschaffenes Songwriter-Handwerk immer noch goldenen Boden hat.
Das Album "Daughtry" war mit 300.000 verkauften Einheiten in der ersten Woche das sich am schnellsten verkaufende Rockdebüt seit in den USA Plattenverkäufe via Soundscan systematisch erfasst werden. Es debütierte im November 2006 auf Platz zwei der Verkaufscharts, kletterte dann auf Platz eins und hielt sich dort zwei Wochen lang. Doppel-Platin, wochenlang in den Top 5 der Billboard Top 200 Albumcharts, davon mehr als neun Wochen in den Top 3; das gab es im Rock seit Creed im Jahre 2002 nicht mehr. Und Daughtry ist in knapp zwanzig Jahren die erste Rockband seit Bon Jovi mit "New Jersey" (1988) der es gelang, nach einer Erstplatzierung im Verfolgerfeld doch noch die Spitze der Charts zu erklimmen.
Für Chris war es immer wichtig, den Radius um seine Musik und um seine eigene Person möglichst groß zu halten. Er war überzeugt, dass ihm die richtige Band sein Publikum noch näher bringen würde. "Ich bin selbst ein großer Musikfan, kenne mich gut aus und bin nicht so leicht zu beeindrucken, aber ich finde es toll, wenn Bands eine Eigendynamik haben, sich die Mitglieder gegenseitig fördern und inspirieren. Man geht raus auf die Bühne und es passiert etwas Magisches. Die begeisterten Kritiken geben Daughtry Recht; dieser Mann scheint einfach alles richtig zu machen. "Daughtry hat einen Draht zu seinem Publikum – und er hat eben erst angefangen", jubelte der San Francisco Chronicle.
Das Album wurde von Howard Benson (My Chemical Romace, All-American Rejects) produziert und zeichnet sich durch Daughtrys untrüglichen Instinkt für Songs aus, die sofort ins Ohr gehen, aber nie oberflächlich sind. Stücke wie das grandiose "It’s Not Over", "All These Lives" oder das zutiefst melancholische "Home", die allesamt Daughtrys Überzeugung widerspiegeln, dass Grenzen dazu da sind, überwunden zu werden. "Ich glaube nicht, dass Stücke sklavisch einem bestimmten Genre angehören müssen", sagt Chris. Das Thema von "It’s Not Over", das er zusammen mit Greg Wattenberg (Five For Fighting) geschrieben hat, berührt ihn besonders. "Diese Vorstellung, dass man wieder und wieder das Gleiche versucht mit der verzweifelten Hoffnung, irgendwann doch ein anderes Ergebnis zu bekommen."
"Die Reaktionen, die wir über unsere Webseite kriegen, wie die Leute bei unseren Shows mitsingen, wie sie uns in Playlisten im Radio und im Musikfernsehen wählen – ich glaube, es ist für Außenstehende schwer zu begreifen, wie wichtig dieses Netz ist, das die Fans für uns knüpfen. Da fängt man selbst an als Fan mit einem Traum, kämpft sich hoch, wird Musiker und hat Hoffnungen wie tausend andere auch und plötzlich hat man es tatsächlich geschafft – das ist so unglaublich. Es ist unbeschreiblich, wenn man so etwas wirklich erlebt."



