
In Zeiten, in denen Popbands kommen und gehen wie Trendfarben in der Mode, sind die Sugababes eine seltene Ausnahme. Wer sagt, dass die Popbranche gerade schwere Zeiten durchmacht, hat offensichtlich Keisha Buchanan, Heidi Range und Amelle Berrabah nicht auf dem Plan, die gerade ihr fünftes Album „Change" veröffentlicht haben. „Change" ist das erste Album der Band, auf dem Amelle sich gesanglich zu Keisha und Heidi gesellt und dem typischen Sound der Band einen neuen Schliff gibt. Dieser neue, belebte Sound, zusammen mit einem stilistischen Richtungswechsel öffnet ein neues Kapitel der beliebtesten Mädchenband im Vereinigten Königreich.
Die Sugababes sind wieder da, angetrieben vom Erfolg ihrer Single-Collection „Overloaded", mit ihrem bislang stärksten Material. Das Folgealbum auf ein Greatest-Hits-Album ist erfahrungsgemäß stets schwierig und der größte Rivale der Sugababes ist ihr eigenes Repertoire. Wie kann man ein Album mit 14 Hit-Singles, davon vier Nummer-Eins-Titeln, übertreffen?
„Change" startet mit der Single „About You Now", die eine spannende Veränderung für den Stil der Band bedeutet, ohne die Merkmale zu vernachlässigen, die sie zu dem machten, was sie heute sind. Der Song wurde von Dr Luke (Kelis, Pink, Missy Elliot) produziert und sprudelt vor Gitarrensound, Synthesizer und flotten Beats. „About You Now" ist ein Song, der in erster Linie mit seiner unwiderstehlichen Melodie besticht, wie auch mit seiner hypnotischen Hook, in der das Gestern noch einmal herbeigesehnt wird: „Can we bring yesterday back around, 'cos I know how I feel about you now".
„Change" vereint die Erfahrungen von Amelle, Heidi und Keisha mit neuen Produzenten und Co-Textern und bewährten Produzenten, die der Band immerhin vier ihrer Nummer-Eins-Hits beschert haben: Dallas Austin ('Push The Button', 'Walk This Way') und Xenomania ('Round Round', 'Hole In The Head'). Diese Zusammenarbeit steht für eine Beständigkeit im Sound der Sugababes, gleichzeitig überraschen sie mit neuen, spannenden Features.
Ein herausragender Song ist „Never Gonna Dance Again", eine weitere Hymne über das Ende einer Beziehung: Eine sachliche Betrachtung vom sorglosen ersten Tanz und dem unachtsamem letzten Flüstern einer gescheiterten Liebe. „Change" ist eine klassische Ballade der Sugababes mit gurgelnden Gitarren und einer Produktion, die an William Orbit erinnert. Der Song ist es wert, in einem Atemzug mit „Too Lost In You" und „Caught In A Moment" genannt zu werden. „Denial" dagegen ist eine für die Sugababes höchst ungewöhnliche Rocknummer, die wohl einer der eingängigsten Ohrwürmer dieses Jahres werden wird.
Insbesondere dem Neuzugang Amelle fiel die Arbeit am Album sehr viel leichter als erwartet: „Einer Band beizutreten, die es schon so weit gebracht hat, war zunächst natürlich eine unglaublich große Herausforderung. So hatte ich anfangs auch das Gefühl, dass sehr viel Druck auf mir lastete, doch als wir dann mit der eigentlichen Arbeit am neuen Album begannen, stellte sich alles als überraschend einfach heraus – ein regelrechter Spaziergang: Wir gingen ins Studio und es machte Klick." Entgegen der Spekulationen im Vorfeld, ist Amelles Stimme weitaus mehr als ein bloßer Ersatz für Mutya, denn ihre einzigartige stimmliche Performance befördert den klassischen Sugababes-Sound auf gänzlich neues Terrain.
Auffällig ist, dass der Gesamteindruck des Albums trotz des reiferen Sounds immer noch der eines astreinen Popalbums ist – ein Popalbum, das den so schon unfassbar eindrucksvollen Leistungen der Band noch einen draufsetzen wird: Bis dato hat die Band über zwei Millionen Singles verkauft; die Babes sind in Großbritannien gleich viermal an die Spitze der Single-Charts gegangen. Zudem haben sie über fünf Millionen Alben verkauft (und insgesamt drei Platin-Auszeichnungen im UK entgegennehmen können), und alles in allem mehr Singles in die Top-10 katapultiert als z.B. die Spice Girls, All Saints, Destiny's Child oder Bananarama. Doch damit nicht genug: Sie sind nämlich zugleich diejenige Girl-Group mit den meisten Eigenkompositionen in den Top-10 seit der Ära der Supremes! Zu guter Letzt sind sie auch die erste Girl-Group seit den achtziger Jahren, die mehr als drei Hit-Alben vorgelegt hat – womit sie Destiny's Child, The Three Degrees, die Spice Girls und The Bangles wiederum ausstechen.



